Dekontamination von Verletzten nach einem Gefahrstoffunfall

 

In den Ausbildungsdiensten des Gefahrgutzuges Wedemark (Fw Mellendorf, Brelingen, Bissendorf und Elze) werden in den Sommermonaten regelmäßig Einsatzübungen  mit unterschiedlichen Themenbereichen durchgeführt. Diesmal war die Vorgabe:  Eine Einsatzübung in Brelingen mit Gefahrstoffen der Gruppe 8, Ätzende Stoffe.

 

Ausgangslage:

Bei der Firma PFEIFER-Treppenbau wurden vormittags mehrere 5 Liter-Gebinde in einem Regal des Lacklagers eingelagert. Durch unsachgemäßes Stapeln kommen die Gebinde später ins Rutschen und drohen das Regal durch die ungleichmäßige Lastverteilung umzustürzen. Bei einem Kontrollgang kurz nach 19:00 Uhr hat ein Mitarbeiter diesen Vorfall bemerkt und über Notruf die örtliche Feuerwehr zur Sicherung angefordert.

Anschließend versucht er selbst die verrutschten Gebinde zu sichern. Mittels einer Anlegeleiter verschafft er sich Zugang zu den oberen Regalböden. Bei dem Versuch die gestapelten Gebinde zu sichern rutscht die Leiter weg, ein Gebinde schlägt an die Regalkante und wird undicht. Der Mitarbeiter stürzt zu Boden und bleibt mit einem gebrochenen Bein und einer blutenden Kopfverletzung benommen liegen. Aus dem beschädigten Gebinde tritt weiterhin Flüssigkeit aus und tropft von der Regalkante

 

Übungsablauf:

Bei Eintreffen der Feuerwehr Brelingen bietet sich dem Gruppenführer nach der Erkundung folgendes Bild:

Schon im Werkstatteingang wird ein unangenehmer stechender Geruch festgestellt, weiter drinnen fangen die Augen zu tränen und zu brennen an.

Eine offensichtlich verletzte Person liegt am Boden im Bereich des Lacklagers.

Eine unbekannte Flüssigkeit tropft aus einem Regal auf den Verletzten und den Ihn umgebenden Bereich.

Sofort wird eine Menschenrettung unter schwerem Atemschutz durchgeführt. Parallel wird die Einsatzstelle soweit erforderlich abgesperrt und Rettungsdienst sowie der Gefahrgutzug Wedemark angefordert

Die nun eintreffenden Einheiten haben die Aufgabe den auslaufenden Stoff zu identifizieren und dessen weitere Ausbreitung verhindern. Neben diesen standardmäßigen Aufgaben müssen sie parallel eine Dekontamination des Verletzten durchführen bevor er zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus gebracht werden kann.

 

 

Übungsziel: Bei einem Unfall mit gefährlichen Stoffen und Gütern besteht für die Feuerwehr grundsätzlich das Problem, Verletzte im Gefahrenbereich nur unter relativ großem zeitlichem Aufwand der medizinischen Versorgung durch Rettungsdienst und Notarzt zuzuführen. Im Vergleich zum normalen Unfall, bei dem alle Einsatzkräfte Zugang zur Schadenstelle haben, ist durch die vielen zusätzlichen Gefahren beim GSG-Einsatz hierzu nur die Feuerwehr durch ihre besondere Ausrüstung und Ausbildung in der Lage. In dieser Situation müssen zumindest lebensrettende Sofortmaßnahmen, also Maßnahmen die wenn sie nicht durchgeführt werden eine schwere Schädigung des Patienten zur Folge hätten, qualifiziert und richtig von Feuerwehrkräften angewendet werden.